Zum Inhalt

Der Landwirtschaftsbetrieb Odega hat den Probebetrieb seines in Neuhardenberg errichteten Biogaswerkes gestartet.  Die 7,5 Millionen Euro teure Anlage produziert ausschließlich Biogas, das mit jährlich 30 Millionen Kilowattstunden dem Jahresbedarf von rund 15.000 Haushalten entspricht.

Fast fünf Jahre hat es von der Entscheidung bis zum Probebetrieb gedauert. Zum 20. Firmenjubiläum hatte die Odega-Geschäftsführung bekannt gegeben, nach der 500-kW-Anlage in Güldenhof eine 1,7-Megawatt-Ablage in Neuhardenberg zu bauen. Zum 25. Jubiläum ist sie am Netz. Zunächst war es auch rasch gegangen: Bereits 2012 gab es die Genehmigung. Doch dann änderten sich die Gesetze. Die Stromerzeugung wurde unrentabel. Damit auch die Pläne, die Wärme von Blockheizkraftwerken auch zur Versorgung der Entenställe und eines Teiles der Ortschaft zu nutzen. Zudem wurde die Frischwassermenge anders bilanziert und auf 100 Tonnen begrenzt.

So musste die Anlage so umgeplant werden, dass sie zur reinen Biogaserzeugung auf der Grundlage von Entenmist und Mais genutzt wird. Vor einem Jahr lag die technische Lösung vor. Bereichsleiter Mario Forner und Geschäftsführer Detlef Brauer sind den Mitarbeitern der Behörden dankbar, dass in nur fünf Monaten die Genehmigungen der geänderten Anlage vorlagen. Am 6. Juli konnte der Bau beginnen; Mitte Dezember war das Gaswerk im Wesentlichen fertig. Die Probephase konnte starten.

In einer abschließenden Bauphase werden noch die Fahrsilos für Entenmist und Maissilage gebaut. Die Flächen dafür liegen direkt am östlichen Rand der Anlage, begrenzt von einem Wäldchen.

Südlich der Anlage hat der Gasabnehmer EWE eine Station aufgebaut. Vorerst wird das Biogas ins Ortsnetz eingespeist. Eine Übergabestation ins 3,5 Kilometer entfernt verlaufende Hochdrucknetz soll bis September noch gebaut werden.

Mario Forner erklärt die technische Funktionsweise. Die beiden acht Meter hohen und 30 Meter breiten Fermenterbehälter werden täglich mit 49 Tonnen Entenmist, der in den Neuhardenberger Ställen anfällt und 49 Tonnen Mais, der in der näheren Umgebung angebaut wird, “gefüttert”. Die beiden Gärrestbehälter, die auch als Gasspeicher dienen, sind ebenfalls acht Meter hoch, aber mit 35 Metern etwas breiter. Die Biologie in den Anlagen ist ganz genau auf die Ausgangsstoffe abgestimmt, erklärt Forner. So ist es nicht möglich, zwischendurch auch mal Zuckerrüben oder Getreide in die Anlage zu kippen. Die Gärreste, die zum Teil von ihren festen Bestandteilen separiert werden, werden auf den Flächen der Unternehmensgruppe, Odega bewirtschaftet mit ihren Firmen rund 17 000 Hektar, als Dünger genutzt.

Technologisches Highlight der Anlage, die künftig von drei Odega-Mitarbeitern bewirtschaftet wird, sind “Evonik-Membranen” zur Gasreinigung. Diese Membranen arbeiten wie Filter, die nur Gase mit einer bestimmen Molekülgröße passieren lassen und die anderen abscheiden. So wird aus dem bis zu 48 prozentigen Rohbiogas ein 96prozentiges Biogas, das der Energieversorger EWE in sein Netz einspeisen kann. Derzeit läuft noch die Probe- und Testphase. Das Brandschutzkonzept ist mit der Feuerwehr abgesprochen, betont Forner. 13 000 Euro wurden den Brandschützern für Spezialausrüstung überreicht.

Detlef Brauer hofft jetzt auf die Verlässlichkeit der Politik, die es dem Unternehmen ermöglicht, die 7,5 Millionen Euro große Investition auch langfristig einsetzen zu können. Biogasanlagen hätten sich als wichtige Versorger herausgestellt, die die Haushalte auch dann kontinuierlich versorgen, wenn keine Sonne scheint und kein Wind weht.

Märkische Onlinezeitung, 25.01.2016