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Expansion und Diversifizierung haben die FRIEDRICH VORWERK KG als einflussreiche Marke auf der europäischen Landkarte im Bereich Rohrleitungsbau- und Instandhaltung etabliert. Profil von Andy Probert.

Das Aufkommen der Gasflüsse in und um Europa hat FRIEDRICH VORWERK an die Spitze der Rohrverlegungs-, Bau-, Wartungs- und Instandhaltungsbranche gebracht. Kein Wunder also, dass 70% des Umsatzes im Gasindustrie-Sektor erzielt werden.

Eine dieser hochkarätigen Ausschreibungen war der Gewinn der Lose 7 und 8 der EUGAL-Pipeline durch eine Arbeitsgemeinschaft mit der belgischen Firma Denys NV und der Anton Meyer GmbH & Co KG.

Die EUGAL-Pipeline, die sich im Besitz des Gasfernleitungsnetzbetreibers Gascade Gastransport befindet, soll hohe Gasmengen von Lubmin an der deutschen Ostseeküste bis zur tschechischen Grenze im Süden transportieren. Das Gas wird zunächst über die Nord Stream 2 von Russland nach Lubmin transportiert.

"Die EUGAL-Pipeline wird die aufgrund des Rückgangs der niederländischen Gasproduktion und der Ressourcenknappheit in der Nordsee fehlenden Gasmengen für den europäischen Markt bereitstellen", erklärt Torben Kleinfeldt, einer der zwei Geschäftsführer der FRIEDRICH VORWERK KG.

Der 64 km lange Doppelrohrleitungsabschnitt mit einem Betriebsdruck von 100 bar soll in einem 54 m breiten Arbeitsstreifen überwiegend in offener Bauweise verlegt werden. Die ARGE wird mit dem Betrieb der Pipeline über verschiedene anspruchsvolle Kreuzungen der bestehenden OPAL-Leitung wie Löcknitz, Oder-Spree-Wasserstraße und Müggelspree beauftragt. Die Arbeiten sollen bis 2021 andauern.

Inzwischen hat die FRIEDRICH VORWERK KG stillschweigend expandiert und ihre Kompetenz im Bereich der Biomethanbehandlung durch den Erwerb von Experten erweitert, deren Expertise im Bau von Biomethananlagen zur Umwandlung von Biomethan in Gas liegt, das dann in das nationale Netz eingespeist wird.

Positionsstärkung

2012 wurde das Unternehmen "European Pipeline Services" gemeinsam mit der FRIEDRICH VORWERK KG und der Einhaus Anlagenservice GmbH gegründet, bevor die FRIEDRICH VORWERK KG die Aktivitäten zur Prüfung und Inspektion von Rohrleitungen und Anlagen von Einhaus Anlagenservice übernahm.

Durch diese Fusion hat das Unternehmen seine Position im Rohrleitungsbau sowie bei Festigkeits- und Dichtheitsprüfungen an allen Rohrleitungen und Systemen der Versorgungswirtschaft und der chemischen Industrie gestärkt. Die Prüfungen erfolgen mit gasförmigen und flüssigen Medien an Rohrleitungen und Systemen aller Abmessungen und Druckstufen.

"Dies ist ein Sektor der Öl- und Gasindustrie, der für uns neu ist, aber in dem wir eine hohe Nachfrage verzeichnen", so Kleinfeldt. Ergänzend zu diesen Aktivitäten hat sich das Unternehmen zu einem eigenständigen Lösungsanbieter entwickelt, der mit Wartungsleistungen und einem breiten Portfolio an Reinigungskonzepten aufwartet.

Insgesamt 750 Mitarbeiter sind bei der FRIEDRICH VORWERK Gruppe an mehreren deutschen Standorten beschäftigt. Der Hauptsitz des Unternehmens befindet sich in Tostedt (30 km südlich von Hamburg), andere Standorte befinden sich in Lüchow, Halle (Saale), Ketzin und Herne.

Durch die geografische Verteilung kann die Firmengruppe alle Punkte des Landes schnell und effizient erreichen. Seit ihrer Gründung im Jahr 2001 hat sie bei der Errichtung und Betreuung vieler Pipelineprojekte in ganz Deutschland maßgeblichen Einfluss genommen.

Allein im vergangenen Jahr hat sich das Unternehmen mit der Wartung und Instandhaltung eines 6.500 Kilometer langen Gashochdrucknetzes und Stationen aus Nordostdeutschland westlich von Berlin bis an die Thüringer Grenze beschäftigt.

Als weiteren Meilenstein bezeichnet Kleinfeldt das Gemeinschaftsunternehmen ARGE Bavaria Loop Nord mit den Firmen Max Streicher und PPS Pipelinesystems zum Bau einer Loop-Leitung von der Open Grid Europe Station Schwandorf bei Regensburg bis Forchheim in Niederbayern. Die Loop-Leitung von über 62 km hat einen Durchmesser von DN1.000 und ist für einen Druck von 100 bar ausgelegt.

Der Ausbau ermöglicht den Anschluss neuer Erdgasspeicher und neuer Gaskraftwerke und sichert den Kapazitätsbedarf der nachgelagerten Netzbetreiber und Kooperationspartner von Open Grid Europe. Die ersten Bauarbeiten begannen im Oktober 2016 und die Inbetriebnahme der Rohrleitung begann im Dezember 2017.

Wartungsperspektiven
Mit dem Bau einer Biogasaufbereitungsanlage hat sich die FRIEDRICH VORWERK KG auch an der Optimierung der weltweit größten Biogasanlage (elektrische Leistung: 20 MW) beteiligt.

Dort wird das überschüssige Gas aus 40 Einzelsystemen in einen Membrangasspeicher mit einem Volumen von 3.200 m³ transportiert. Nach einer ersten Behandlungsstufe, in der der Wasserdampf grob vom Gas getrennt wird, wird das Gas in den Hauptverdichter der Aufbereitungsanlage transportiert.

Das Biogas wird mit einem einstufigen Schraubenkompressor auf 15 bar komprimiert. Das Gas strömt dann in eines von 104 Membranmodulen, in denen das Gas in CO2 und CH4 fraktioniert wird. Am Ende dieses dreistufigen Membranprozesses verlässt das Biomethan die Anlage mit einer Reinheit von 98% und einem Druck von fast 15 bar.

Das CO2 enthält nur 0,5% Methan und wird einer drucklosen Nachverbrennungsbehandlung in einer regenerativen thermischen Oxidationsanlage unterzogen, bevor es in die Atmosphäre abgegeben wird.

Im Volllastbetrieb verbraucht die Anlage 400 KW Strom, wandelt dafür aber 1.300m³/h Biogas in 700 m³/h Biomethan um, was einer Wärmeleistung von 7.000 KW entspricht. Mit dieser Gasmenge können 7.000 moderne Haushalte versorgt werden.

Die Tätigkeiten im Bereich Rohrleitungsbau umfassen die Wartung und Instandhaltung von Rohrnetzen und Armaturenstationen, die Streckeninstandhaltung, Gaserkennungsdienste sowie die Behebung und Unterdrückung von Störungen.

Weitere besondere Dienstleistungen sind die Molchreinigung, das Anbohren, Reparaturen an gasführenden Systemen, Arbeiten an druckbeaufschlagten Rohrleitungen, das induktive Vorwärmen für Schweißarbeiten an in Betrieb befindlichen Rohren und der Einsatz alternativer Reparaturverfahren.

Bereit für Renovierungsarbeiten

"Wir blicken auf die Gaswirtschaft und gehen davon aus, dass damit ein enormer Renovierungsaufwand verbunden ist", so Kleinfeldt. "Wir denken auch über die Zukunft von LNG nach und darüber, welche Auswirkungen es auf unser Geschäft haben könnte.

"LNG könnte der Kraftstoff der Zukunft sein, insbesondere in der Marineindustrie. Deshalb haben wir damit begonnen, unsere Schweißer für den LNG-Markt auszubilden."

Dies entspricht dem Wunsch der Firmengruppe, sich stärker auf die Service- und Instandhaltungsseite des Betriebs zu konzentrieren, so Kleinfeldt, denn Kunden müssen ihre Anlagen und Netze immer warten und instandhalten.

Herr Kleinfeldt betont außerdem, dass die Gruppe an einer Vielzahl weiterer Projekte beteiligt ist, darunter die Gasreinigung für eine Abfallaufbereitungsanlage und ein Fernwärmenetz für die HafenCity in Hamburg.

"Wir streben nach mehr Serviceverträgen, um ein stetiges Wachstum zu erzielen", kommentiert er die Übernahme von mehr Biomethananlagen. In Deutschland gibt es rund 3.500 solcher Anlagen, von denen etwa 3.000 das Biomethan in Strom umwandeln.

Der kaufmännische Geschäftsführer, der seit 2012 bei FRIEDRICH VORWERK tätig ist, fügt hinzu, dass das Unternehmen auch an dem in der Entwicklung befindlichen Projekts ZEELINK beteiligt ist, das den Bau einer Erdgasleitung von der belgisch-deutschen Grenze bei Lichtenbusch nach Sankt Hubert bei Krefeld und weiter nach Legden bei Ahaus in Nordrhein-Westfalen umfasst.

Neben der Erhöhung der Transportkapazität von Erdgas von Nord- nach Süddeutschland wird das Projekt ZEELINK auch an die NEL-Pipeline angeschlossen, wodurch möglicherweise zusätzliche Mengen an Erdgas aus der NEL offshore Nord Stream und der Nord Stream 2 hinzugefügt werden. Die Pipeline wird mit dem LNG-Terminal in Zeebrugge verbunden.

"Wir bleiben ein Familienunternehmen mit solider Finanzkraft", fasst Kleinfeldt zusammen. "Wir kümmern uns leidenschaftlich um Kunden, Lieferanten und Mitarbeiter, und durch die Zusammenarbeit mit ihnen allen haben wir ein zweistelliges Wachstum erzielt."

"Angesichts der Menge an Energie und Investitionen, die in die Gasindustrie investiert werden, sind wir sehr optimistisch, dass wir für mindestens die nächsten 20 Jahre eine aktive Rolle spielen werden.", fügt er abschließend hinzu.

(Inside Oil & Gas, Nov/Dec 2018)